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wir begrüßen Sie herzlich im Praxisnetz der Kinder- und- Jugendärzt*innen Münster e.V., dem Verbund niedergelassener Kinder- und Jugendärzt*innen Münsters und Umgebung.
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Barfußlaufen fördert gesunde Kinderfüße
Erst durch Bewegung und unterschiedliche Reize bildet sich das Fußgewölbe nach und nach aus. Barfußlaufen auf wechselnden Untergründen aktiviert die Muskulatur und unterstützt diese Entwicklung“, sagt Dr. Jörn Dohle, stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU).
Tipps für gesunde Kinderfüße im Sommer:
- Kinder so oft wie möglich barfuß laufen lassen
- Unterschiedliche Untergründe nutzen: Wiese, Sand, Kies oder Waldboden
- Viel Bewegung im Alltag fördern: laufen, springen, klettern
- Schuhe nur, wenn nötig: dann weich, flexibel und mit ausreichend Platz
- Bei Schmerzen oder auffälligem Gangbild ärztlichen Rat einholen
Fast alle Kleinkinder haben zunächst ein abgeflachtes Fußgewölbe, den sogenannten kindlichen Knick-Senkfuß. Medizinisch beschreibt er eine dreidimensionale Veränderung des Fußes, die in den ersten Lebensjahren zur normalen Entwicklung gehört. Die Ferse kippt leicht nach innen, der Fuß wirkt flach, weil das Längsgewölbe noch nicht vollständig ausgebildet ist. Die S2k-Leitlinie „Kindlicher Knick-Senkfuß“ der DGOU zeigt: Nur ein kleiner Teil der Kinder entwickelt Beschwerden, Schmerzen treten bei weniger als zwei Prozent auf. „Dabei spielen auch Risikofaktoren eine Rolle: Übergewicht kann die Entwicklung eines Knick-Senkfußes begünstigen, der sich nicht von selbst reguliert. Auch muskuläre Schwächen oder bestimmte Grunderkrankungen können Einfluss nehmen“, sagt Prof. Dr. Anna K. Hell, federführende Autorin und Koordinatorin der Leitlinie. Treten Schmerzen auf, wirkt der Fuß steif oder läuft das Kind ungern, sollte dies orthopädisch-unfallchirurgisch abgeklärt werden.
In den ersten Lebensjahren sind die Strukturen im Fuß noch weich und flexibel. Muskeln, Sehnen und Bänder entwickeln sich erst nach und nach. Das ermöglicht dem Fuß, sich anzupassen und seine endgültige Form auszubilden. Er reagiert auf Reize und Belastungen und gewinnt so Schritt für Schritt an Stabilität. „Erst im Laufe der Kindheit und im Jugendalter bildet sich das Fußgewölbe vollständig aus. Es übernimmt später eine zentrale Funktion: Es wirkt wie ein Stoßdämpfer, verteilt das Körpergewicht gleichmäßig und sorgt für Stabilität und Balance beim Gehen und Laufen“, sagt Prof. Dr. Stefan Rammelt, Vorsitzender der DGOU-Sektion Deutsche Assoziation für Fuß und Sprunggelenk (DAF).
Gerade die Sommermonate bieten ideale Bedingungen, um die natürliche Entwicklung der Füße zu unterstützen. Barfußlaufen in abwechslungsreicher Umgebung setzt gezielte Reize und stärkt die Muskulatur. Gleichzeitig gilt: Sicherheit geht vor. Kinder sollten nur dort barfuß laufen, wo keine Verletzungsgefahr durch Scherben, spitze Gegenstände oder stark erhitzte Oberflächen besteht.
Entscheidend bleibt die Unterscheidung zwischen dem häufigen, flexiblen Knick-Senkfuß und einer seltenen, starren Form, die auf strukturelle oder neurologische Ursachen hinweisen kann und ärztlich abgeklärt werden sollte. In den allermeisten Fällen gilt jedoch: Es ist keine Therapie notwendig. Einlagen oder spezielle Maßnahmen sind nur bei Beschwerden sinnvoll. Für die große Mehrheit der Kinder ist der Knick-Senkfuß ein vorübergehendes Entwicklungsphänomen und der Sommer liefert die besten Voraussetzungen, damit sich gesunde Füße ganz natürlich entwickeln.
Susanne Herda, Swetlana Meier Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.
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Quellen: idw-online.de, Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. -
Schwedische Studie: Verzicht auf Vitamin-K-Gabe bei Neugeborenen verdoppelt Blutungsrisiko
Säuglinge benötigen Vitamin K, um insbesondere vor Hirnblutungen geschützt zu sein, die zu bleibenden geistigen Schäden oder sogar zum Tod führen können. Vitamin K spielt eine zentrale Rolle im Blutgerinnungssystem. Babys können das Vitamin nur in geringen Mengen speichern und Muttermilch enthält wenig davon. In Schweden erhalten Neugeborene das Vitamin gespritzt, während es in Deutschland oral in Form von Tropfen verabreicht wird.
In vielen Ländern nimmt die Zahl der Eltern mit ablehnender Haltung zu
Die Rate des Verzichts auf intramuskuläres Vitamin K hat sich in Schweden zwischen 2006 und 2021 mehr als verdoppelt; dies spiegelt Trends wider, die auch aus den USA, Großbritannien, Kanada und Australien gemeldet wurden.
Eine landesweite schwedische Kohortenstudie, die sich über fast zwei Jahrzehnte erstreckte, ergab, dass Säuglinge, die bei der Geburt kein intramuskuläres Vitamin K erhielten, im Vergleich zu Säuglingen mit der prophylaktischen Standardinjektion ein signifikant höheres Blutungsrisiko in den ersten sechs Lebensmonaten aufwiesen – darunter ein fast dreifach erhöhtes Risiko für intrakranielle Blutungen. Die am 13. Juli 2026 online in „JAMA Pediatrics“ veröffentlichten Ergebnisse ergänzen die wachsende internationale Datenlage, die eine zunehmende Ablehnung der Vitamin-K-Gabe bei Neugeborenen durch die Eltern sowie die daraus resultierenden klinischen Folgen dokumentiert.
Die Studienautoren unter der Leitung von Dr. med. Eleni Simatou vom Karolinska Institutet in Stockholm kamen zu dem Schluss, dass weitere Aufklärungsarbeit bei Eltern und medizinischem Fachpersonal erforderlich ist, angesichts der anhaltenden und zunehmenden Versorgungslücke bei Säuglingen mit Vitamin K.
Über 24.000 Säuglinge ohne Vitamin-K-Prophylaxe
Die Forscher analysierten Daten von 2.020.302 Lebendgeburten in Schweden im Zeitraum von 2003 bis 2021. Dabei nutzten sie das schwedische medizinische Geburtenregister, das mit nationalen Registern zu Patienten, zur Qualität der Neugeborenenversorgung und zu Todesursachen verknüpft war. Bei 24.089 Säuglingen (1,19 %) war keine intramuskuläre Vitamin-K-Prophylaxe dokumentiert.
Trendumkehr nach jahrzehntelang niedriger Inzidenz
Der Anteil der Säuglinge in Schweden, die keine intramuskuläre Vitamin-K-Gabe erhielten, sank von 1,32% im Jahr 2003 auf einen Tiefstwert von 0,66% im Jahr 2006 und stieg anschließend stetig auf 1,50% im Jahr 2021 an – mehr als das Doppelte des Tiefststands von 2006. Dieses Muster spiegelt frühere Berichte über steigende Ablehnungsraten in Australien, Neuseeland, Großbritannien, Kanada und den USA wider, wo jüngste Schätzungen auf Basis von Krankenhausdaten Werte von bis zu 5,18% erreichten. Orales Vitamin K, das als Alternative bei Ablehnung der Injektion angeboten wird, kam bei weniger als 10% der Säuglinge ohne intramuskuläre Gabe zum Einsatz.
Bedeutung der Prophylaxe
Neugeborene sind physiologisch anfällig für einen Vitamin-K-Mangel, bedingt durch den begrenzten plazentaren Transfer, niedrige Konzentrationen in der Muttermilch und ein unreifes Darmmikrobiom, das das Vitamin noch nicht synthetisieren kann; diese Faktoren waren ausschlaggebend für die Einführung der allgemeinen Prophylaxe ab den 1960er Jahren. Die schwedische Erfahrung verdeutlicht die Tragweite: Zeitgleich mit der Umstellung von intramuskulärer auf rein orale Gabe im Jahr 1986 beobachteten Expert*innen einen Wiederanstieg von Blutungen bei Säuglingen. Dies hatte 1989 die Wiedereinführung der intramuskulären Verabreichung als Standardmaßnahme zur Folge.
Wenn Vitamin K oral in Form von Tropfen verabreicht wird, müssen Kinder diese mehrmals erhalten. Wird eine Gabe verpasst, ist die Schutzwirkung nicht mehr so gut. In Deutschland ist die Verabreichung des Vitamins an die Vorsorgeuntersuchungen (U1, U2 und U3) gekoppelt, was die Therapietreue erleichtert.
Einschränkungen
Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich kein kausaler Zusammenhang beweisen. Die Autor*innen weisen zudem darauf hin, dass die Auswertung alle Blutungsdiagnosen umfasste und nicht ausschließlich Vitamin-K-Mangel-Blutungen. Dadurch lässt sich bei einzelnen Blutungsereignissen keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung zum Vitamin-K-Mangel nachweisen.
Quellen: Contemporary Pediatrics, JAMA Pediatrics
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Mehr als Schultüte und Ranzen: BVKJ gibt Tipps für einen gesunden Schulstart
Dr. Anke Steuerer, Vizepräsidentin des BVKJ, erklärt: „Ein gut sitzender Schulranzen ist wichtig. Genauso wichtig ist es aber, ihn täglich auf Inhalt und Gewicht zu überprüfen. Viele Kinder neigen dazu, lieber immer alles im Ranzen zu lassen, damit sie nichts vergessen. Dadurch übersteigt der Ranzen aber schnell das für Kinder in diesem Alter empfohlene Gewicht von maximal 10 - 15 Prozent des Körpergewichts des Kindes.“
Ebenso wichtig ist, dass Kinder über eine ausreichend trainierte Muskulatur verfügen, damit das von nun an regelmäßige Tragen des Ranzens nicht zu Nacken- und Rückenschmerzen führt. Dafür braucht es keine besonderen Fitnessprogramme. Ein kindgerechter Vereinssport sowie eine regelmäßige körperliche Aktivität im Alltag, zum Beispiel durch Toben und Spielen sowie Bewegung im Freien, reichen vollkommen aus. Insgesamt sollten Kinder in diesem Alter täglich ein bis drei Stunden körperlich aktiv sein.
Auch der Schulweg bietet eine gute Gelegenheit, Bewegung in den Alltag zu integrieren. Wenn möglich, sollten Kinder zu Fuß, mit dem Roller oder dem Fahrrad zur Schule kommen. Schulen appellieren aus Verbandssicht vollkommen zurecht an Eltern, das sogenannte „Elterntaxi“ nur dann zu nutzen, wenn es wirklich notwendig ist.
Dr. Tanja Brunnert, Bundespressesprecherin des BVKJ, weist außerdem darauf hin, dass eine weitere häufig diskutierte Anschaffung zum Schulbeginn meist nicht erforderlich ist: „Ein eigenes Smartphone vor dem neunten Geburtstag empfehlen wir grundsätzlich nicht. Auch Smartwatches mit Ortungsfunktion sind kritisch. Wenn Kinder permanent per Smartwatch verfolgt werden, kann das die Botschaft vermitteln: ‚Ich traue dir den Schulweg nicht alleine zu‘ oder ‚Ich vertraue dir nicht‘. Für die Entwicklung von Selbstständigkeit und Selbstvertrauen ist es jedoch wichtig, dass Kinder lernen, Herausforderungen eigenständig zu bewältigen. Dazu gehört es auch, mal einen Fehler zu machen, sich mal zu verlaufen und den Weg dann trotzdem zu finden. Wir müssen die Kinder darin stärken, dass sie dies alleine bewältigen können.“
Pressemeldung BVKJ
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