Liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir begrüßen Sie herzlich im Praxisnetz der Kinder- und- Jugendärzt*innen Münster e.V., dem Verbund niedergelassener Kinder- und Jugendärzt*innen Münsters und Umgebung.
Mit unserem Kinder- und Jugendärzt*innen-Netz bieten wir Ihnen und Ihren Kindern und Jugendlichen bis 21 Jahre die bestmögliche ambulante Gesundheitsversorgung mit einheitlich hohen Qualitätsstandards. Die enge Kooperation untereinander und mit stationären und ambulanten Spezialeinrichtungen der Kinder- und Jugendmedizin ermöglicht es, die netzinternen Fachkompetenzen und die ambulanten Untersuchungs- und Therapieverfahren sinnvoll zu nutzen und die Zahl und Dauer der Klinikaufenthalte gering zu halten. Machen Sie sich ein Bild von unserem Leistungsspektrum.
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Teure Lebensmittel machen Kinder dick
Das hat ein Forschungsteam der Universität Bonn jetzt am Beispiel der „Asienkrise“ in den 1990-er Jahren gezeigt. Damals kam es durch Turbulenzen am Finanzmarkt zu einer drastischen Verteuerung von Reis, dem wichtigsten Grundnahrungsmittel Indonesiens, die messbare Spuren in der Entwicklung von Kindern hinterlassen hat. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Global Food Security“ veröffentlicht.
Für ihre Studie werteten die Bonner Forschenden vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn den Indonesian Family Life Survey (IFLS) aus, der Haushalte über viele Jahre begleitet. Sie nutzten regionale Unterschiede bei der Reispreisinflation zwischen 1997 und 2000 und verknüpften diese mit Körpermaßen derselben Kinder in der Kindheit und später als junge Erwachsene. „Wir sehen, dass ein massiver Preisschock nicht nur kurzfristig belastet, sondern sich auch in der langfristigen körperlichen Entwicklung von Kindern niederschlagen kann“, sagte Elza S. Elmira, die Erstautorin der Studie. „Der krisenbedingte Preisanstieg erhöhte die chronische Unterernährung und ging mit einem Anstieg der Wachstumsverzögerung um 3,5 Prozentpunkte einher. Stark betroffene Kinder werden später also nicht nur kleiner sein als ihre nicht betroffenen Altersgenossen, sie sind auch deutlich anfälliger für Fettleibigkeit.“
ieser Zusammenhang erstaunte die Forschenden. Elmira sieht ein mögliches Erklärungsmuster: „Familien sparen in Krisen weniger bei Kalorien als bei teureren, nährstoffreichen Lebensmitteln. Es entsteht dann ein ‚versteckter Mangel‘ an wichtigen Mikronährstoffen, der das Längenwachstum bremst, ohne dass das Körpergewicht im selben Maße sinken muss.“ Die Studie verfolgt die betroffenen Kinder bis 2014, als sie 17 bis 23 Jahre alt waren. Für die Gruppe, die während der Krise drei bis fünf Jahre alt war, zeigen sich signifikante Zusammenhänge mit dem Body Mass Index (BMI) und Adipositas.
Kinder in sensiblen Entwicklungsphasen schützen
„Mangelerfahrungen im Kleinkindalter können ein Leben lang nachwirken – Wachstumsstörungen sind leichter zu messen gehen aber oft auch mit geistigen Entwicklungsstörungen einher, und mit einem erhöhten Risiko von starkem Übergewicht (Adipositas) und chronischen Folgekrankheiten“, so Prof. Dr. Matin Qaim, Ko-Autor der Studie. „In derselben Krise können Unterernährung und Übergewicht zunehmen. Das unterstreicht, wie wichtig ernährungssensitive Krisenpolitik ist: Sie muss Kinder in sensiblen Entwicklungsphasen gezielt schützen. Wenn Ernährungspolitik nur Kalorien absichert, kann sie am eigentlichen Problem vorbeigehen.“ Der Agrarökonom ist Mitglied des Transdisziplinären Forschungsbereichs „Sustainable Futures“ und des Exzellenzclusters „PhenoRob – Robotics and Phenotyping for Sustainable Crop Production“ der Universität Bonn.
Stärkerer Effekt in Städten und bei niedriger Bildung
Besonders deutlich fallen die Effekte in städtischen Regionen aus. Dort sind Haushalte stärker auf Zukauf angewiesen, während Familien auf dem Land teilweise selbst Reis produzieren. Auch der Bildungshintergrund spielt eine Rolle: Kinder von Müttern mit niedriger Bildung sind signifikant stärker betroffen als Kinder besser gebildeter Mütter. „Die Ergebnisse zeigen, dass Krisenhilfe nicht allein an Armutsgrenzen ansetzen sollte“, betonten Elmira und Qaim. „Gerade in Städten und dort, wo Wissen über ausgewogene Ernährung fehlt, kann ein Preisschock die Ernährungsqualität so verschlechtern, dass die Folgen dauerhaft spürbar bleiben.“
Warum das heute relevant ist
Die Bonner Forschenden verweisen darauf, dass Ernte-, Einkommens- und Preisschocks weltweit zunehmen – durch Konflikte, Pandemien und extreme Wetterereignisse. Die Analyse aus Indonesien liefert damit einen empirischen Hinweis, wie sich wirtschaftliche Turbulenzen über Lebensmittelpreise in langfristige Gesundheitsrisiken übersetzen können. Die Langzeitergebnisse werden in der vorliegenden Studie als statistische Zusammenhänge interpretiert; über lange Zeiträume lassen sich nicht alle Einflüsse vollständig ausschließen.
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Prof. Dr. Andreas Archut / Dezernat 8 – Hochschulkommunikation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
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Quellen: idw-online.de, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Global Food Security
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Vergrößerte Gaumen- und Rachenmandel können Schlaf beeinträchtigen
Bei Kindern können vergrößerte Gaumen- oder Rachenmandeln (Tonsillen / Adenoide) den Schlaf stören, weil sie die Atemwege verengen oder blockieren. Die Folgen können u.a. Tagesmüdigkeit und Konzentrationsprobleme sein. Basir S. Mansoor vom UT Southwestern Medical Center in Dallas und seine Kolleg*innen untersuchten die Auswirkungen der Adenotonsillektomie auf die Schlafqualität und Atemstörungen während des Schlafens bei 233 Kindern (Durchschnittsalter 6,85 Jahre) mit schwerer und sehr schwerer obstruktiver Schlafapnoe (78% schwer), d.h. wiederholte Atemaussetzer oder starke Atemfluss-Störungen während des Schlafs.
Die Forscher*innen stellten fest, dass die Adenotonsillektomie eine deutliche Verringerung der Probleme bewirkte. Der mittleren Apnoe-Hypopnoe-Index sank von 23,51 auf 6,25. Der Index beschreibt, wie oft pro Stunde Schlaf die Atmung gestört ist. 23% der Proband*innen litten weiterhin unter schwerer obstruktiver Schlafapnoe.
Im Vergleich zu Patient*innen ohne diese Erkrankung wiesen sie eine signifikant kürzere Gesamtschlafzeit (350,54 vs. 413,73 Minuten), weniger Tiefschlaf (89,54 vs. 109,63 Minuten), weniger „Traumschlaf“ (Rapid Eye Movement - REM-Schlaf) (69,56 vs. 91,43 Minuten) und mehr Schlafunterbrechungen auf.
„Obwohl die Adenotonsillektomie bei den meisten Patient*innen wirksam ist, litten 23% unserer Teilnehmer*innen postoperativ weiterhin unter schwerer obstruktiver Schlafapnoe“, schreiben die Autor*innen. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass bestimmte Patient*innen eine intensivere postoperative Überwachung oder zusätzliche Interventionen über die Adenotonsillektomie hinaus benötigen.“
Quellen: HealthDay, Laryngoscope
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RSV-Prophylaxe für Neugeborene und Säuglinge empfohlen
Infektionen mit respiratorischen Synzytial-Viren (RSV) können bei Säuglingen lebensgefährliche Auswirkungen haben. Daher empfiehlt die STIKO für Neugeborene und Säuglinge einen RSV-Schutz, um diese Risikogruppen vor schweren RSV-bedingten-Atemwegsinfektionen und damit vor Krankenhausaufenthalten und Todesfällen zu schützen. Außerdem können so stationäre sowie ambulante Versorgungsengpässe verhindert werden.
Früher RSV-Schutz ist wichtig
Die RSV-Prophylaxe erfolgt mit dem monoklonalen Antikörper Nirsevimab als Einmaldosis in der 1. von Neugeborenen und Säuglingen erlebten RSV-Saison (üblicherweise zwischen Oktober und März). Erstmalig spricht damit die STIKO eine Prävention mit monoklonalen Antikörpern als Standardempfehlung aus. Säuglinge, die zwischen April und September geboren sind, sollen Nirsevimab möglichst im Herbst vor Beginn ihrer 1. RSV-Saison erhalten. Neugeborene, die während der RSV-Saison geboren werden, sollen Nirsevimab möglichst rasch nach der Geburt bekommen, idealerweise bei Entlassung aus der Geburtseinrichtung. Hierzu bietet sich die Vorsorgeuntersuchung U2 an, die am 3. bis 10. Lebenstag durchgeführt wird. Eine versäumte Nirsevimab-Gabe soll innerhalb der 1. RSV-Saison schnellstmöglich nachgeholt werden.
Die Empfehlung zur Prophylaxe mit Nirsevimab betrifft insbesondere auch Neugeborene und Säuglinge mit bekannten Risikofaktoren für eine schwere RSV-Infektion wie zum Beispiel Frühgeburtlichkeit oder schwere Herzfehler. Für diese Risikogruppe bietet Nirsevimab eine Alternative zur bisher gängigen Immunisierung mit Palivizumab.
RSV-Infektionen sind häufigste Ursache für Krankenhauseinweisungen bei Säuglingen
Bei Säuglingen in Deutschland sind RSV-Infektionen die häufigste Ursache für Krankenhauseinweisungen. Neugeborene und Säuglinge sind vor allem in ihren ersten sechs Lebensmonaten besonders gefährdet, schwer an RSV zu erkranken. Die große Mehrheit der schweren RSV-Erkrankungen tritt bei zuvor gesunden Säuglingen auf.
Nirsevimab ist ein Antikörper, der nach Verabreichung einen sofortigen Schutz gegen RSV-Erkrankungen bietet und bei zeitgerechter Gabe über die gesamte 1. RSV-Saison schützt. Nirsevimab ist sicher und wird in der Regel gut vertragen. Die RSV-Prophylaxe kann gleichzeitig mit oder in beliebigem Abstand zu den im Säuglingsalter von der STIKO empfohlenen Standardimpfungen verabreicht werden.