Liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir begrüßen Sie herzlich im Praxisnetz der Kinder- und- Jugendärzt*innen Münster e.V., dem Verbund niedergelassener Kinder- und Jugendärzt*innen Münsters und Umgebung.
Mit unserem Kinder- und Jugendärzt*innen-Netz bieten wir Ihnen und Ihren Kindern und Jugendlichen bis 21 Jahre die bestmögliche ambulante Gesundheitsversorgung mit einheitlich hohen Qualitätsstandards. Die enge Kooperation untereinander und mit stationären und ambulanten Spezialeinrichtungen der Kinder- und Jugendmedizin ermöglicht es, die netzinternen Fachkompetenzen und die ambulanten Untersuchungs- und Therapieverfahren sinnvoll zu nutzen und die Zahl und Dauer der Klinikaufenthalte gering zu halten. Machen Sie sich ein Bild von unserem Leistungsspektrum.
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Nehmen Sie unbedingt zeitgerechte Termine für Vorsorgen und Schutzimpfungen wahr!
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Jedes zehnte Grundschulkind ist oft einsam
Schon in der Grundschule gehört Einsamkeit für viele Kinder zum Alltag. Mehr als jedes dritte Kind fühlt sich manchmal einsam, rund jedes zehnte sogar oft oder immer. Das zeigen aktuelle Zwischenergebnisse der Studie „Inspire Youth“ mit Beteiligung von Prof. Dr. Susanne Bücker, Professorin für Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie an der Universität Witten/Herdecke (UW/H). Befragt wurden 428 Kinder der zweiten bis vierten Klasse an Schulen in Bochum, Herne und Gelsenkirchen.
Ein Gefühl ohne Worte
Viele Kinder erleben Einsamkeit, können sie aber nicht benennen. Rund ein Drittel kann den Begriff nicht erklären – besonders häufig Kinder, die nicht mit Deutsch als Muttersprache aufwachsen. Das hat Folgen: Wer kein Wort für ein Gefühl hat, kann schwer darüber sprechen und sucht seltener Hilfe. „Einsamkeit entsteht, wenn die eigenen Beziehungen nicht so sind, wie man sie sich wünscht – zum Beispiel, weil man zu wenige Freundinnen hat oder die Beziehungen zu oberflächlich sind.“, sagt Prof. Dr. Susanne Bücker. „Kinder müssen dieses Gefühl erst einordnen lernen, sonst bleibt es oft unbemerkt.“
Hinzu kommt: Viele Kinder setzen Einsamkeit mit Alleinsein gleich. Sie beschreiben also eine Situation, nicht das dahinterliegende Gefühl. Das erschwert es Erwachsenen, Einsamkeit überhaupt zu erkennen.
Kinder erleben Einsamkeit vor allem dort, wo sie mit anderen zusammen sind, die Schule ist dafür ein zentraler Ort. Hier entstehen Beziehungen – oder eben nicht. „Für Kinder ist Einsamkeit ein sehr konkretes, soziales Erlebnis“, sagt Bücker. „Wenn niemand mit ihnen spielt oder sie ausgeschlossen werden, wird sie spürbar, aber oft eben nicht greifbar.“
Zwischen Selbsthilfe und Rückzug
Die meisten Kinder versuchen selbst, etwas zu ändern: Sie suchen Kontakt zu anderen Kindern, sprechen mit Erwachsenen oder knüpfen neue Beziehungen. Solche Strategien sind die häufigste Reaktion. Doch dieses Muster gilt nicht für alle. Je stärker Kinder von Einsamkeit betroffen sind, desto häufiger greifen sie auf andere Strategien zurück. Sie ziehen sich zurück, andere reagieren auffällig oder aggressiv, lenken sich ab oder versuchen, ihre Gefühle allein zu regulieren. In einzelnen Fällen berichten Kinder sogar davon, sich „herunterzufahren“, um nichts mehr zu spüren. Das weist auf ein zentrales Problem hin: Nicht alle Kinder verfügen über die gleichen sozialen und emotionalen Ressourcen. Während einige aktiv Anschluss finden, fehlt anderen genau diese Möglichkeit.
Prävention heißt: Beziehungen ermöglichen
Hier setzt das Projekt „Inspire Youth“ an. Es geht nicht nur darum, Einsamkeit zu messen, sondern sie früh zu erkennen und Kinder im Umgang damit zu stärken. Dafür soll auf allen Ebenen Einsamkeitsprävention verankert werden – im Unterricht, im Ganztag und in den Strukturen der Schule. Kinder sollen lernen, Gefühle zu bemerken und zu benennen, Schulen sollen Zugehörigkeit aktiv fördern und Erwachsene sollen ansprechbar sein, wenn Kinder Hilfe suchen. Doch die Studie zeigt auch, wie schwierig das in den Schulalltag zu integrieren ist: Große Gruppen, wenig Zeit und fehlende Räume erschweren den Blick auf das einzelne Kind. Gerade leise Kinder werden leicht übersehen. Aber: Geschultes Personal kann Einsamkeit erkennen und durch gezielte Maßnahmen wirksam reduzieren. Das eröffnet konkrete Ansatzpunkte, um Kinder früh zu stärken und ihnen verlässliche soziale Beziehungen zu ermöglichen.
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Svenja Malessa, Kommunikation und Marketing, Universität Witten/Herdecke
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Quellen: idw-online.de, Universität Witten/Herdecke
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Kardiovaskuläre Risikofaktoren in der Kindheit und ihre Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit im Erwachsenenalter
Henri Salo, M.D., von der Universität Turku in Finnland, untersuchte gemeinsam mit Kolleg*innen die Zusammenhänge zwischen kardiovaskulären Risikofaktoren von der frühen Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter und der kognitiven Leistungsfähigkeit im Alter von 26 Jahren. Die Daten stammen aus dem „Special Turku Coronary Risk Factor Intervention Project“. Erfasst wurden Risikofaktoren in mehreren Entwicklungsphasen (frühe Kindheit, Kindheit, frühe Adoleszenz und Adoleszenz). Im jungen Erwachsenenalter wurden unter anderem Lern- und Gedächtnisleistung, verbales Gedächtnis, Arbeitsgedächtnis, Reaktionszeit, Informationsverarbeitung sowie kognitive Flexibilität untersucht.
Die Ergebnisse zeigen, dass ein höherer BMI sowie ein größerer Taillenumfang insbesondere mit einer geringeren kognitiven Flexibilität assoziiert waren. Für den BMI fanden sich zusätzlich Zusammenhänge mit einer verminderten Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung. Darüber hinaus standen erhöhte LDL-Cholesterinwerte mit einem schlechteren verbalen Gedächtnis in Zusammenhang. Auch ein erhöhter systolischer Blutdruck in der Kindheit zeigte einen Zusammenhang mit einer reduzierten kognitiven Flexibilität im jungen Erwachsenenalter.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bereits leicht erhöhte kardiovaskuläre Risikofaktoren in frühen Lebensphasen mit der kognitiven Leistungsfähigkeit im Erwachsenenalter in Zusammenhang stehen können. Dies unterstreicht die potenzielle Bedeutung frühzeitiger Präventions- und Interventionsmaßnahmen zur Förderung sowohl der kardiovaskulären als auch der kognitiven Gesundheit.
Quellen: neurologyadvisor.com, Pediatrics
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Leopoldina-Diskussionspapier empfiehlt besseren Schutz von Heranwachsenden auf Social Media
Das Diskussionspapier gibt einen Einblick in die aktuelle Studienlage zum Einfluss sozialer Medien auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Der Großteil der verfügbaren Evidenz ist korrelativer und nicht kausaler Natur: Querschnittstudien belegen einen statistischen Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Medien und einer zunehmenden psychischen Belastung. Einige Längsschnittstudien über längere Zeiträume hinweg liefern zudem Hinweise darauf, dass die intensive Nutzung sozialer Medien ursächlich für diese Belastungen sein kann. Die Autorinnen und Autoren sprechen sich deshalb für die Anwendung des Vorsorgeprinzips aus: Es besagt, dass vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden sollten, wenn es Hinweise auf mögliche schädliche Auswirkungen gibt, auch wenn wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt ist, wie groß das Risiko tatsächlich ist.
Laut den Autorinnen und Autoren besteht politischer Handlungsbedarf zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, da die möglichen Gefährdungen durch eine intensive Social-Media-Nutzung erheblich sind. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler formulieren im Diskussionspapier konkrete Handlungsempfehlungen, um Kinder und Jugendliche vor den Gefahren sozialer Medien zu schützen und sie gleichzeitig zu einem reflektierten und kompetenten Umgang mit ihnen zu befähigen. Sie sprechen sich dafür aus, dass Kinder unter 13 Jahren keine Social-Media-Accounts einrichten dürfen. Für 13- bis 15-jährige Jugendliche sollten soziale Medien nur nach gesetzlich vorgeschriebener elterlicher Zustimmung nutzbar sein. Für 13- bis 17-Jährige sollen soziale Netzwerke zudem altersgerecht gestaltet werden – beispielsweise bei den algorithmischen Vorschlägen, durch ein Verbot von personalisierter Werbung oder durch die Unterbindung besonders suchterzeugender Funktionen wie Push-Nachrichten und endloses Scrollen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen außerdem, die Nutzung von Smartphones in Kitas und Schulen bis einschließlich Klasse 10 nicht zuzulassen.
Das Diskussionspapier erläutert auch die mögliche Umsetzung der Altersgrenzen und altersgerechten Einschränkungen auf Social Media. Hier sehen die Autorinnen und Autoren vor allem auf EU-Ebene Möglichkeiten der Regulierung. Die deutsche Bundesregierung sollte sich dort für entsprechende gesetzliche Regelungen einsetzen. Ein vielversprechender Ansatz ist bereits die geplante Einführung der „EUDI-Wallet“, die einen datenschutzkonformen digitalen Altersnachweis ermöglichen soll. Um einen reflektierten Umgang mit sozialen Medien zu fördern, schlagen die Autorinnen und Autoren vor, einen digitalen Bildungskanon in Kitas und Schulen zu verankern, der Kinder und Jugendliche auf Themen des digitalen Lebens vorbereitet. Die Kompetenzen von Lehr- und Erziehungsfachkräften sollten gestärkt werden, um riskantes bzw. suchtartiges Nutzungsverhalten frühzeitig erkennen und adressieren zu können. Niedrigschwellige Public-Health-Kampagnen sollten Familien zudem über die Einflüsse sozialer Medien auf die psychische Gesundheit sowie über die Möglichkeiten einer positiven Gestaltung der Social-Media-Nutzung informieren. Zudem bedarf es weiterer Forschung, um die Wirkmechanismen der Nutzung sozialer Medien in dieser Altersgruppe besser zu verstehen und die Effektivität der Schutzmaßnahmen zu evaluieren.
Das Diskussionspapier „Soziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ ist auf der Website der Leopoldina veröffentlicht: https://www.leopoldina.org/socialmedia-kinder
In einem Video stellt Prof. Dr. Ralph Hertwig, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und Mitautor des Diskussionspapiers, die Handlungsempfehlungen vor: https://youtu.be/2l5Qcu1_Fpc
Publikationen in der Reihe „Leopoldina-Diskussion“ sind Beiträge der genannten Autorinnen und Autoren. Mit den Diskussionspapieren bietet die Akademie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit, flexibel und ohne einen formellen Arbeitsgruppen-Prozess Denkanstöße zu geben oder Diskurse anzuregen und hierfür auch Empfehlungen zu formulieren. Die in Diskussionspapieren vertretenen Thesen und Empfehlungen stellen daher keine inhaltliche Positionierung der Akademie dar.
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Julia Klabuhn, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
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Quellen: idw-online.de, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina