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Kindlicher Aufmerksamkeit durch häufige Mediennutzung beeinträchtigt
Der Gebrauch elektronischer Medien wie Fernseher, Smartphones oder Tablets geht häufig mit schnellen Aufmerksamkeitswechseln einher, da immer wieder neue Reize präsentiert werden. Lesen dagegen erfordert ein längeres Aufrechterhalten der Konzentration. Auf dieser Basis haben Wissenschaftler:innen der Medizinischen Fakultät die Hypothese geprüft, ob der Gebrauch von Bildschirmmedien mit einer geringeren, Lesen hingegen mit einer besseren Langzeitaufmerksamkeit bei Kindern einhergeht.
Zur Messung der Aufmerksamkeitsleistung absolvierten die insgesamt 1.057 Kinder zweier Altersgruppen, von 3 bis 6,5 Jahre und 6,5 bis 11 Jahre, einen computerbasierten Test. Dabei sollten sie nur auf ein bestimmtes Bild reagieren, indem sie eine Taste drücken, bei anderen Bildern hingegen keine Reaktion zeigen. Erfasst wurden in der Testzeit von sieben Minuten sogenannte Auslassungsfehler (Mangel an Langzeitaufmerksamkeit) und Fehlreaktionen (mangelnde Impulskontrolle). Parallel berichteten die Eltern über die tägliche Nutzungsdauer von Bildschirmmedien bei Kindern ab drei Jahren und die Häufigkeit selbständigen Lesens ab sechs Jahren.
Größere Fehlerneigung bei „Medien-Kindern“
Die wichtigsten Erkenntnisse: „Kindern beider Altersgruppen, die häufiger Bildschirmmedien nutzten, unterliefen im Test mehr Fehler als denen mit geringerer Mediennutzung. Besonders bei Vorschüler:innen zeigte sich ein Zusammenhang zwischen dem Anschauen von Filmen oder Serien und eingeschränkter Impulskontrolle. Im Grundschulalter war eine ausgedehnte Nutzung von Filmen, Serien oder Videospielen mit geringerer Langzeitaufmerksamkeit verbunden“, erklärt Dr. Tanja Poulain, Leiterin der aktuellen Studie und Wissenschaftlerin an der Medizinischen Fakultät bei Life Child.
Im Gegensatz dazu wiesen Grundschulkinder, die regelmäßig selbständig lasen, weniger Fehler im computerbasierten Test auf. Das deutet darauf hin, dass Lesen mit einer besseren Aufmerksamkeitsleistung einhergeht. Darüber hinaus zeigte sich, dass Mädchen insgesamt weniger Fehler machten als Jungen.
Mediengebrauch beeinträchtigt Konzentrationsfähigkeit
Die Resultate stützen frühere Befunde, wonach häufiger Mediengebrauch mit geringerer Aufmerksamkeit assoziiert ist. Anders als vergleichbare Studien, die auf Eigen- oder Elternangaben basierten, beruhen die Leipziger Daten auf standardisierten kognitiven Tests. Zudem konnte gezeigt werden, dass nicht nur die Lesfähigkeit, diese wurde in früheren Studien oft im Zusammenhang mit der Aufmerksamkeit untersucht, sondern auch die Lesehäufigkeit in einem positiven Zusammenhang mit der Konzentration steht. Die Wissenschaftler:innen der aktuellen Studie betonen, dass die Ergebnisse zwar keine Kausalität belegen, aber die Bedeutung einer moderaten Nutzung digitaler Medien und der Förderung des Lesens unterstreichen.
Die Life Child-Studie, die seit 14 Jahren an der Medizinischen Fakultät läuft, umfasst Daten von mehr als 6000 Kindern aus Leipzig und Umgebung. Sie ermöglicht detaillierte Untersuchungen zum Einfluss von Umwelt- und Lebensstilfaktoren auf die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.
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Anne Grimm, Medizinische Fakultät, Stabsstelle Universitätskommunikation / Medienredaktion, Universität Leipzig
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Quellen: idw-online.de, Universität Leipzig, BMC Pediatrics
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Plötzlicher Kindstod: Eltern neigen zum Verzicht auf sichere Schlafumgebung während Krankheitsphasen
In Interviews mit über 100 Bezugspersonen von Säuglingen im Alter von 0 bis 12 Monaten, die aufgrund einer Erkrankung in der Notaufnahme vorgestellt wurden, stellten die Forscher*innen fest, dass unsichere Schlafgewohnheiten während Krankheitsphasen häufiger vorkamen und oft auch nach Abklingen der Krankheit fortbestanden. Diese veränderten Schlafgewohnheiten erhöhen das Risiko eines plötzlichen unerwarteten Kindstods (sudden unexpected infant death - SUID), einem Oberbegriff, der auch das plötzliche Kindstod (SIDS – Sudden Infant Death Syndrome) umfasst. SUID führte laut US-Gesundheitsstatistik im Jahr 2022 zum Tod von 3.700 Kindern.
Zahlreiche Studien der letzten Jahrzehnte haben unsichere Schlafgewohnheiten mit dem plötzlichen Kindstod (SIDS) und dem unerwarteten plötzlichen Kindstod (SUID) in Verbindung gebracht. Die Ergebnisse einer neuen, von den National Institutes of Health (NIH) finanzierten Studie wurden am 18. September in der Fachzeitschrift „Pediatrics“ veröffentlicht und untermauern die Annahme, dass Erkrankungen im Säuglingsalter ein Risikofaktor für SUID sind.
Die Betreuungspersonen wurden zu den üblichen Schlafgewohnheiten ihrer Babys befragt und ob sich diese im Krankheitsfall veränderten. Sie berichteten, dass die Einhaltung sicherer Gewohnheiten, wie das Schlafen im Kinderbett, insgesamt von 61,8% vor der Erkrankung auf 48,1% während der Erkrankung zurückging. Gleichzeitig stieg der Anteil der Betreuungspersonen, die angaben, dass ihre Säuglinge im Bett oder auf der Couch schliefen, von 56,5% vor der Erkrankung auf 62,6% während der Erkrankung und erreichte bei der Nachuntersuchung nach einem Monat sogar 75%. Auch die Häufigkeit des gemeinsamen Schlafens im Elternbett stieg insgesamt von 57,3% vor der Erkrankung auf 68,7% während der Erkrankung und erreichte bei der Nachuntersuchung nach einem Monat sogar 83,6%.
Viele Betreuungspersonen in der Studie berichteten, dass sie während der Erkrankung ihres Kindes von empfohlenen sicheren Schlafpraktiken abwichen, beispielsweise vom Schlafen in Rückenlage. Zu den häufigsten Änderungen zählten vermehrtes gemeinsames Schlafen im Elternbett, das Schlafen auf nicht empfohlenen Unterlagen sowie die Bauch- oder Seitenlage, die nicht den Empfehlungen entsprechen.
Die Tatsache, dass diese Veränderungen auch nach der Erkrankung anhielten, unterstreicht die Notwendigkeit gezielter Maßnahmen zur Förderung sicherer Schlafpraktiken während einer Erkrankung, so Dr. Mary Beth Howard, Kinder- und Jugendärztin für Notfallmedizin am Johns Hopkins Children’s Center und Leiterin der Studie.
„Eltern nehmen diese Änderungen oft vor, weil sie ihr krankes Baby trösten oder es genau beobachten möchten. Doch diese gut gemeinten Anpassungen erhöhen tatsächlich das Risiko eines plötzlichen, unerwarteten Todes. Krankheit ist eine besonders sensible Zeit, weshalb es umso wichtiger ist, die Empfehlungen für sicheren Babyschlaf einzuhalten“, sagt Howard.
Um den plötzlichen Kindstod zu vermeiden, sollten Eltern u.a. das Baby zum Schlafen auf den Rücken legen, es ohne Decken, Kissen oder Kuscheltiere und in einem Kinderbett allein schlafen lassen.Quellen: EurekAlert! Johns Hopkins Medicine, Pediatrics
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Positionspapier zum Konsum von Energydrinks durch Kinder und Jugendliche
Akute gesundheitliche Risiken
Bereits ab einer Koffeinaufnahme von etwa 3,0 mg pro Kilogramm Körpergewicht können laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gesundheitsbeeinträchtigende Wirkungen auftreten.2 Bei einem 13-jährigen Jugendlichen mit einem Körpergewicht von 54 Kilogramm entspricht dies dem Konsum von etwa zwei Energydrinks oder zwei Tassen Kaffee pro Tag. Grundsätzlich geben aber weder die weder die EFSA noch die FDA einen sicheren Grenzwert für Koffein bei Kindern und Jugendlichen an, was darauf hindeutet, dass dieses gänzlich vermieden werden sollte. Dies ist auch die Position der American Academy of Pediatrics.3
Zu den möglichen akuten Symptomen zählen:
- Schweißausbrüche
- Kopfschmerzen
- Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen
- Ein- und Durchschlafstörungen
Bei Einnahme größerer Mengen besteht das Risiko von Blutdruckanstieg und Herzrhythmusstörungen. Besonders gefährdet sind Jugendliche mit bisher nicht erkannten Herzrhythmusstörungen (z. B. Long-QT-Syndrom), bei denen sogar lebensbedrohliche Komplikationen auftreten können.4
Chronische und langfristige Folgen
Neben den akuten Wirkungen bereiten dem Verband vor allem die chronischen Folgen des regelmäßigen Energydrink-Konsums Sorgen. Zwei Dosen eines beliebigen Energydrinks enthalten bis zu 70 Gramm Zucker, was etwa 24 Stück Würfelzucker entspricht. Der regelmäßige Konsum trägt damit erheblich zur Entstehung von Übergewicht und Diabetes bei.
Darüber hinaus werden anhaltende Schlafstörungen beobachtet, die sich negativ auf die körperliche und geistige Entwicklung auswirken können.
Obwohl bislang keine physische Abhängigkeit beschrieben wurde, mehren sich Hinweise aus Tierversuchen auf eine mögliche neurotoxische Wirkung auf die noch reifende Neuroglia (Gliazellen, die unterstützend im Nervensystem wirken). Diese Befunde rechtfertigen aus kinder- und jugendärztlicher Sicht besondere Vorsicht.
Gefahren von Mischkonsum
Der Mischkonsum von Energydrinks mit Alkohol birgt erhebliche gesundheitliche Risiken. Die Kombination einer stimulierenden Substanz wie Koffein mit dem sedierenden Alkohol führt zu einer gefährlichen Maskierung des Intoxikationsgrades: Betroffene fühlen sich wacher und nüchterner, als sie tatsächlich sind, was zu fortgesetztem Alkoholkonsum und Risikoverhalten führen kann.5 Studien zeigen, dass diese Mischung mit erhöhten Raten von Alkoholvergiftungen, riskanten Verkehrsteilnahmen und aggressivem Verhalten assoziiert ist. Diese Konsumform ist oftmals mit dem Einstieg in einen multiplen Substanzmissbrauch verbunden, wodurch die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen und aufklärender Interventionen bei Jugendlichen deutlich wird.
Forderungen und Präventionsvorschläge
Auch unterhalb einer vom BVKJ nicht geforderten strikten gesetzlichen Altersbeschränkung für Energydrinks, wie sie beispielsweise in Norwegen (16), Polen, Litauen und Lettland (jeweils 18) besteht, hält der Verband einschränkende Maßnahmen für zielführend. So schlägt der BVKJ – in Anlehnung an bekannte und wirksame Präventionskonzepte – folgende Strategien vor:
1. Engineering – Gesetzliche Kennzeichnung
- Erweiterung der seit 2016 geltenden Höchstmengenverordnung (max. 320 mg Koffein/Liter) um eine Warnhinweispflicht für Jugendliche bereits ab 150 mg/L.
- Der bisherige Hinweis „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere und stillende Frauen nicht empfohlen“ sollte ausdrücklich um den Zusatz „und Jugendliche“ ergänzt werden.
2. Education – Aufklärung und Gesundheitsbildung
- Thematisierung der Risiken von übermäßigem Koffein- und Zuckerkonsum durch Energydrinks im schulischen Unterricht als Teil der Gesundheitsbildung.
- Dabei: Berücksichtigung geschlechtsgebundener Unterschiede beim Konsum, da Jungen aufgrund der auf sie zugespitzten Werbung und Marketingstrategien (z. B. durch Motorsportbezug) stärker betroffen sind.
- Kinder- und Jugendärzte weisen im Rahmen den Jugenduntersuchungen J1 und J2 und bei übergewichtigen Jugendlichen verstärkt auf die Risiken des Energydrink-Konsums hin.
- Auch Eltern werden informiert und sensibilisiert, z. B. durch öffentliche Kampagnen, Diskussionen im Fernsehen oder in sozialen Medien, damit sie eine Vorbildfunktion einnehmen und ihren Kindern ein gesundes Konsumverhalten vorleben können.
3. Economy – Preisgestaltung
- Eine Preiserhöhung ist die wirksamste Maßnahme, um den Konsum von gesundheitlich riskanten Produkten zu senken, wie es z.B. bei Tabakprodukten mit der Steuererhöhung für Zigaretten ab 2000 bewiesen wurde.
Quellenangaben:
[1]
Teijeiro, Ana; Mourino, Nerea; García, Guadalupe; Candal-Pedreira, Cristina; Rey-Brandariz, Julia; Guerra-Tort, Carla et al. (2025): Prevalence and characterisation of energy drink consumption in Europe. A systematic review. In: Public health nutrition 28 (1), e119. DOI: 10.1017/S1368980025100463 .[2]
EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA) (2015): Scientific Opinion on the safety of caffeine. In: EFS2 13 (5), S. 425. DOI: 10.2903/j.efsa.2015.4102 .[3]
Costantino, Andrea; Maiese, Aniello; Lazzari, Julia; Casula, Chiara; Turillazzi, Emanuela; Frati, Paola; Fineschi, Vittorio (2023): The Dark Side of Energy Drinks. A Comprehensive Review of Their Impact on the Human Body. In: Nutrients 15 (18). DOI: 10.3390/nu15183922 .[4]
Mangi, Muhammad A.; Rehman, Hiba; Rafique, Muhammad; Illovsky, Michael (2017): Energy Drinks and the Risk of Cardiovascular Disease. A Review of Current Literature. In: Cureus 9 (6), e1322. DOI: 10.7759/cureus.1322 .Ehlers, Anke; Marakis, Georgios; Lampen, Alfonso; Hirsch-Ernst, Karen Ildico (2019): Risk assessment of energy drinks with focus on cardiovascular parameters and energy drink consumption in Europe. A Review of Current Literature. In: Food and chemical toxicology : an international journal published for the British Industrial Biological Research Association 130 (6), S. 109–121. DOI: 10.1016/j.fct.2019.05.028 .
Cao, Diana X.; Maiton, Kimberly; Nasir, Javed M.; Estes, N. A. Mark; Shah, Sachin A. (2021): Energy Drink-Associated Electrophysiological and Ischemic Abnormalities. A Narrative Review. In: Frontiers in cardiovascular medicine 8, S. 679105. DOI: 10.3389/fcvm.2021.679105.;
Piccioni, Andrea; Covino, Marcello; Zanza, Christian; Longhitano, Yaroslava; Tullo, Gianluca; Bonadia, Nicola et al. (2021): Energy drinks. A narrative review of their physiological and pathological effects. In: Internal medicine journal 51 (5), S. 636–646. DOI: 10.1111/imj.14881 .
[5]
Acquas, Elio; Dazzi, Laura; Correa, Mercè; Salamone, John D.; Bassareo, Valentina (2023): Editorial. Alcohol and energy drinks: is this a really good mix? In: Frontiers in behavioral neuroscience 17, S. 1213723. DOI: 10.3389/fnbeh.2023.1213723 .Graczyk, Adam M.; Leone, Lucia A.; Orom, Heather; Ziegler, Amanda M.; Crandall, Amanda K.; Klasko-Foster, Lynne B.; Temple, Jennifer L. (2022): Alcohol mixed energy drink usage and risk-taking among college students in Western New York State. In: Journal of American college health 70 (6), S. 1651–1664. DOI: 10.1080/07448481.2020.1817036 .
Scalese, Marco; Benedetti, Elisa; Cerrai, Sonia; Colasante, Emanuela; Fortunato, Loredana; Molinaro, Sabrina (2023): Alcohol versus combined alcohol and energy drinks consumption. Risk behaviors and consumption patterns among European students. In: Alcohol (Fayetteville, N.Y.) 110, S. 15–21. DOI: 10.1016/j.alcohol.2023.02.001 .
Speroni, Jared; Fanniff, Amanda M.; Edgemon, Jennifer M.; Martini, Valeria; Haas, Amie L. (2023): Alcohol mixed with energy drinks and aggressive behaviors in adolescents and young adults. A systematic review. In: Clinical psychology review 104, S. 102319. DOI: 10.1016/j.cpr.2023.102319
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BVKJ-Positionspaper