Liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir begrüßen Sie herzlich im Praxisnetz der Kinder- und- Jugendärzt*innen Münster e.V., dem Verbund niedergelassener Kinder- und Jugendärzt*innen Münsters und Umgebung.
Mit unserem Kinder- und Jugendärzt*innen-Netz bieten wir Ihnen und Ihren Kindern und Jugendlichen bis 21 Jahre die bestmögliche ambulante Gesundheitsversorgung mit einheitlich hohen Qualitätsstandards. Die enge Kooperation untereinander und mit stationären und ambulanten Spezialeinrichtungen der Kinder- und Jugendmedizin ermöglicht es, die netzinternen Fachkompetenzen und die ambulanten Untersuchungs- und Therapieverfahren sinnvoll zu nutzen und die Zahl und Dauer der Klinikaufenthalte gering zu halten. Machen Sie sich ein Bild von unserem Leistungsspektrum.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
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Auf den nächsten Seiten erhalten Sie praktische medizinische Tipps, Adressen für den Notfall, das Verzeichnis der Mitgliedspraxen des Praxisnetz der Kinder- und- Jugendärzt*innen Münster e.V. und Informationen über wichtige Termine, Aktivitäten und Informationsquellen.
Wichtige Hinweise:
Durch u.g. Maßnahmen sind Sie und Ihr Kind vor Ansteckung in den Praxen geschützt!
Nehmen Sie unbedingt zeitgerechte Termine für Vorsorgen und Schutzimpfungen wahr!
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Keuchhustenimpfung in der Schwangerschaft stärkt die Abwehr bei Neugeborenen
2024 wurden in Deutschland die meisten Keuchhustenfälle seit Einführung der Meldepflicht 2013 verzeichnet. Mit fast 122 Fällen pro 100.000 Einwohner waren Säuglinge unter einem Jahr am stärksten betroffen. Für 2025 erwarten Expert:innen ähnlich hohe Fallzahlen. Keuchhusten kann für Neugeborene tödlich sein. In Deutschland erhalten sie frühestens ab dem zweiten Lebensmonat die erste von drei notwendigen Impfdosen. Ab der zweiten Impfung, die Säuglinge mit ungefähr vier Monaten verabreicht bekommen, verfügen sie über einen ersten eigenen Schutz. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, wird Schwangeren in Deutschland und den meisten europäischen Ländern empfohlen, sich gegen Keuchhusten impfen zu lassen. Die werdenden Mütter geben ihre schützenden Antikörper über die Plazenta an das ungeborene Kind weiter. Diese indirekte Immunisierung ist eine sichere und effektive Methode, die von Geburt an wirksam ist.
Ein Forschungsteam um Prof. Beate Kampmann, Direktorin des Instituts für Internationale Gesundheit an der Charité und Wissenschaftliche Leiterin des Charité Centers Global Health, konnte nun erstmals nachweisen, dass die von der Mutter übertragenen Antikörper nicht nur im Blut, sondern auch in der Nasenschleimhaut der Neugeborenen vorhanden sind – also genau dort, wo die Erreger in den Körper eindringen. „Wir wussten, dass mütterliche Antikörper über die Plazenta weitergegeben werden. Überraschend war allerdings, dass wir sie auch auf der Nasenschleimhaut der Neugeborenen – auf für die Kinder schonende Weise – nachweisen konnten. Das unterstreicht die Wirksamkeit der indirekten Impfung“, sagt Beate Kampmann, die gemeinsam mit einem Team der MRC Unit The Gambia und ihrem niederländischen Kollegen Prof. Dimitri Diavatopoulos das Design der aktuellen Untersuchung entwickelt hat.
Unterschiedliche Immunantwort je nach Impfstofftyp
Im Rahmen der internationalen Studie wurden 343 schwangere Frauen im westafrikanischen Gambia entweder mit einem Keuchhusten- oder einem Tetanus-Impfstoff geimpft. Mütterliche Antikörper gegen Keuchhusten waren sowohl im Blut als auch auf der Nasenschleimhaut der Säuglinge nachweisbar, wenn ihre Mütter die entsprechende Impfung erhalten hatten. Die Forschenden der Medical Research Council Unit The Gambia der London School of Hygiene and Tropical Medicine untersuchten weiterhin Blut und Nasensekrete von rund 160 Neugeborenen vor und nach deren routinemäßiger Keuchhustenimpfung mit unterschiedlichen Impfstoffarten.
Wie die Studie zeigte, entwickelten Babys, die im Alter von 8, 12 und 16 Wochen einen Ganzzell-Keuchhustenimpfstoff erhalten hatten, im Durchschnitt eine stärkere Immunantwort als diejenigen, denen ein azellulärer Impfstoff verabreicht wurde. „Ein Ganzzellimpfstoff enthält das vollständige, aber inaktivierte Keuchhustenbakterium, während ein azellulärer Impfstoff nur wenige gereinigte Bestandteile des Bakteriums beinhaltet“, erklärt Beate Kampmann. „Azelluläre Impfstoffe verursachen in der Regel weniger Nebenwirkungen, bieten aber meist einen kürzer anhaltenden Schutz. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass auch der Keuchhusten-Ganzzellimpfstoff länger schützt.“
Was die aktuellen Ergebnisse für den klinischen Schutz und die Impfstrategie in unterschiedlichen Situationen bedeuten, muss weiter untersucht werden, unterstreicht das Forschungsteam. In Europa wird seit 2005 der azelluläre Impfstoff verwendet, während die meisten Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen weiterhin den Ganzzellimpfstoff einsetzen. „Länder, die Ganzzellimpfstoffe bei den Kindern verwenden, sollten unseren Ergebnissen zufolge dabei bleiben“, folgert die Expertin für internationale Gesundheit, Beate Kampmann. „Entscheidend aber bleibt die Impfung von Schwangeren mit dem azellularem Impfstoff, unabhängig davon welcher Impfstofftyp danach den Kindern gegeben wird. Beide Arten können Keuchhusten bei Neugeborenen in mehr als 90% aller Fälle verhindern."
Bedeutung für die öffentliche Gesundheit
In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit 2020 die Keuchhustenimpfung für Schwangere zu Beginn des letzten Drittels der Schwangerschaft. Dennoch liegt die Impfquote mit etwa 50% deutlich unter dem empfohlenen Zielwert. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Impfung in der Schwangerschaft Säuglinge in ihrer anfälligsten Lebensphase doppelt schützt. Angesichts steigender Fallzahlen ein starkes Argument, das Impfangebot zu nutzen“, betont Beate Kampmann.
In vielen Teilen der Welt bleibt Keuchhusten auch heute noch eine tödliche Krankheit. Jedes Jahr sterben zwischen 200.000 und 300.000 Menschen daran, vor allem Kleinkinder in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, in denen gute Impfstoffe nicht immer verfügbar sind. Das Forschungsteam plant daher weitere Studien, die dazu beitragen sollen, vorhandene Keuchhustenimpfstoffe zu verbessern und die Wirksamkeit neuer Vakzine zu prüfen.
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Manuela Zingl, GB Unternehmenskommunikation, Charité – Universitätsmedizin Berlin
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Quellen: idw-online.de, Charité – Universitätsmedizin Berlin, The Lancet Microbe
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Jedes siebte Kind und jeder siebte Jugendliche in Europa leidet an psychischen Problemen
Der Bericht fasst erstmals umfassende Daten zum Stand der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der gesamten Region zusammen. Er zeigt einen erheblichen und wachsenden Bedarf an psychischer Gesundheitsversorgung bei jungen Menschen sowie kritische Lücken in der Qualität und Zugänglichkeit der Versorgung auf.
Zunehmende Herausforderungen im Bereich der psychischen Gesundheit
Dem Bericht zufolge leidet jedes siebte Kind und jeder siebte Jugendliche (über 30 Mio.) in der Region an einer psychischen Erkrankung. Mädchen und Frauen sind überproportional betroffen: Jedes vierte Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren leidet an einer psychischen Erkrankung. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter; mehr als jeder fünfte (22%) der Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren leidet an einer psychischen Erkrankung. Suizid ist weiterhin die häufigste Todesursache bei jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren.
Die Prävalenz psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 19 Jahren hat in den letzten 15 Jahren um ein Drittel zugenommen. Die Versorgungsangebote konnten mit diesem steigenden Bedarf jedoch nicht Schritt halten.
Angststörungen gehören demnach die häufigste psychische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 19 Jahren (über fünfzehn Millionen sind betroffen), gefolgt von depressiven Störungen (über 4,4 Millionen) (29) und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (3,7 Millionen).Regionale Unterschiede
In jedem vierten Land fehlen gemeindenahe Angebote zur psychischen Gesundheitsversorgung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene; in jedem fünften Land gibt es keine spezifische Strategie zur Deckung des Bedarfs an psychischer Gesundheitsversorgung; die Qualität der psychischen Gesundheitsversorgung variiert stark zwischen den Ländern; und es kommt nur ein Psychiater auf 76.000 Kinder und Jugendliche.
Verbesserung der Versorgungsqualität dringend erforderlich
Der Bericht fordert koordinierte Maßnahmen, um diese Lücken zu schließen und sicherzustellen, dass alle Kinder und Jugendlichen Zugang zu einer qualitativ hochwertigen, personenzentrierten psychischen Gesundheitsversorgung erhalten.
„Dieser Bericht ist ein Weckruf für die Region. Jedes Kind und jeder Jugendliche hat das Recht auf psychische Gesundheitsversorgung und hochwertige Betreuung. Durch sofortiges Handeln können Länder widerstandsfähige Systeme aufbauen, die den nächsten Generationen ein gutes Leben ermöglichen“, so Dr. João Breda, Leiter des WHO-Büros für Qualität der Versorgung und Patientensicherheit sowie Sonderbeauftragter und Leiter des WHO-Länderbüros in Griechenland.
Dr. Ledia Lazëri, Regionalberaterin für psychische Gesundheit bei der WHO/Europa, betont: „Dies ist das erste Mal, dass die WHO/Europa umfassende Daten zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zusammengetragen hat. Forschende, politische Entscheidungsträger und Kliniker können diese Daten nutzen, um fundierte Entscheidungen für die Weiterentwicklung von Versorgungsangeboten […] zu treffen.“Quelle: WHO Regional Office for Europe (Pressemeldung, kompletter Bericht)
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Teure Lebensmittel machen Kinder dick
Das hat ein Forschungsteam der Universität Bonn jetzt am Beispiel der „Asienkrise“ in den 1990-er Jahren gezeigt. Damals kam es durch Turbulenzen am Finanzmarkt zu einer drastischen Verteuerung von Reis, dem wichtigsten Grundnahrungsmittel Indonesiens, die messbare Spuren in der Entwicklung von Kindern hinterlassen hat. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Global Food Security“ veröffentlicht.
Für ihre Studie werteten die Bonner Forschenden vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn den Indonesian Family Life Survey (IFLS) aus, der Haushalte über viele Jahre begleitet. Sie nutzten regionale Unterschiede bei der Reispreisinflation zwischen 1997 und 2000 und verknüpften diese mit Körpermaßen derselben Kinder in der Kindheit und später als junge Erwachsene. „Wir sehen, dass ein massiver Preisschock nicht nur kurzfristig belastet, sondern sich auch in der langfristigen körperlichen Entwicklung von Kindern niederschlagen kann“, sagte Elza S. Elmira, die Erstautorin der Studie. „Der krisenbedingte Preisanstieg erhöhte die chronische Unterernährung und ging mit einem Anstieg der Wachstumsverzögerung um 3,5 Prozentpunkte einher. Stark betroffene Kinder werden später also nicht nur kleiner sein als ihre nicht betroffenen Altersgenossen, sie sind auch deutlich anfälliger für Fettleibigkeit.“
ieser Zusammenhang erstaunte die Forschenden. Elmira sieht ein mögliches Erklärungsmuster: „Familien sparen in Krisen weniger bei Kalorien als bei teureren, nährstoffreichen Lebensmitteln. Es entsteht dann ein ‚versteckter Mangel‘ an wichtigen Mikronährstoffen, der das Längenwachstum bremst, ohne dass das Körpergewicht im selben Maße sinken muss.“ Die Studie verfolgt die betroffenen Kinder bis 2014, als sie 17 bis 23 Jahre alt waren. Für die Gruppe, die während der Krise drei bis fünf Jahre alt war, zeigen sich signifikante Zusammenhänge mit dem Body Mass Index (BMI) und Adipositas.
Kinder in sensiblen Entwicklungsphasen schützen
„Mangelerfahrungen im Kleinkindalter können ein Leben lang nachwirken – Wachstumsstörungen sind leichter zu messen gehen aber oft auch mit geistigen Entwicklungsstörungen einher, und mit einem erhöhten Risiko von starkem Übergewicht (Adipositas) und chronischen Folgekrankheiten“, so Prof. Dr. Matin Qaim, Ko-Autor der Studie. „In derselben Krise können Unterernährung und Übergewicht zunehmen. Das unterstreicht, wie wichtig ernährungssensitive Krisenpolitik ist: Sie muss Kinder in sensiblen Entwicklungsphasen gezielt schützen. Wenn Ernährungspolitik nur Kalorien absichert, kann sie am eigentlichen Problem vorbeigehen.“ Der Agrarökonom ist Mitglied des Transdisziplinären Forschungsbereichs „Sustainable Futures“ und des Exzellenzclusters „PhenoRob – Robotics and Phenotyping for Sustainable Crop Production“ der Universität Bonn.
Stärkerer Effekt in Städten und bei niedriger Bildung
Besonders deutlich fallen die Effekte in städtischen Regionen aus. Dort sind Haushalte stärker auf Zukauf angewiesen, während Familien auf dem Land teilweise selbst Reis produzieren. Auch der Bildungshintergrund spielt eine Rolle: Kinder von Müttern mit niedriger Bildung sind signifikant stärker betroffen als Kinder besser gebildeter Mütter. „Die Ergebnisse zeigen, dass Krisenhilfe nicht allein an Armutsgrenzen ansetzen sollte“, betonten Elmira und Qaim. „Gerade in Städten und dort, wo Wissen über ausgewogene Ernährung fehlt, kann ein Preisschock die Ernährungsqualität so verschlechtern, dass die Folgen dauerhaft spürbar bleiben.“
Warum das heute relevant ist
Die Bonner Forschenden verweisen darauf, dass Ernte-, Einkommens- und Preisschocks weltweit zunehmen – durch Konflikte, Pandemien und extreme Wetterereignisse. Die Analyse aus Indonesien liefert damit einen empirischen Hinweis, wie sich wirtschaftliche Turbulenzen über Lebensmittelpreise in langfristige Gesundheitsrisiken übersetzen können. Die Langzeitergebnisse werden in der vorliegenden Studie als statistische Zusammenhänge interpretiert; über lange Zeiträume lassen sich nicht alle Einflüsse vollständig ausschließen.
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Prof. Dr. Andreas Archut / Dezernat 8 – Hochschulkommunikation, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
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Quellen: idw-online.de, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Global Food Security