Liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir begrüßen Sie herzlich im Praxisnetz der Kinder- und- Jugendärzt*innen Münster e.V., dem Verbund niedergelassener Kinder- und Jugendärzt*innen Münsters und Umgebung.
Mit unserem Kinder- und Jugendärzt*innen-Netz bieten wir Ihnen und Ihren Kindern die bestmögliche ambulante Gesundheitsversorgung mit einheitlich hohen Qualitätsstandards. Die enge Kooperation untereinander und mit stationären und ambulanten Spezialeinrichtungen der Kinder- und Jugendmedizin ermöglicht es, die netzinternen Fachkompetenzen und die ambulanten Untersuchungs- und Therapieverfahren sinnvoll zu nutzen und die Zahl und Dauer der Klinikaufenthalte gering zu halten. Machen Sie sich ein Bild von unserem Leistungsspektrum.
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Frühkindlicher Stress und Angst: Geschlechtsspezifische Veränderungen im Hirnstoffwechsel und Verhalten von Mäusen
Stress in der Kindheit, wie Vernachlässigung oder Misshandlung, sind bekannte Risikofaktoren für die Entwicklung psychischer Störungen im späteren Leben. ForscherInnen des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie (MPI) in München unter der Leitung von Joeri Bordes und Mathias Schmidt untersuchten mit Hilfe eines Mausmodells, wie sich frühkindlicher Stress auf die Angstreaktion und das Gedächtnis bei Männchen und Weibchen auswirkt. Sie fanden heraus, dass solcher Stress zu verstärkten Angstreaktionen führt, die sich bei Männchen und Weibchen unterscheiden: Männliche Tiere zeigten passive Strategien zur Angstbewältigung („Einfrieren“), während weibliche aktive Strategien zeigten (Ausweichen oder fluchtartiges Verhalten). Stress in einer frühen Lebensphase wirkte sich bei Männchen und Weibchen zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus, Weibchen reagierten unmittelbar, Männchen zeigten länger anhaltende Reaktionen. Weibliche Mäuse wiesen unmittelbar nach einer frühen Stressbelastung einen erhöhten Stresshormonspiegel (Corticosteron) auf, bei männlichen Tieren war das nicht der Fall.
Früher Stress macht möglicherweise anfällig für psychische Störungen im späteren Leben
Die ForscherInnen untersuchten auch die Stoffwechselprozesse in Gehirnregionen, die mit Angst und Stress in Verbindung gebracht werden, darunter die Amygdala und der Hippocampus. Sie entdeckten geschlechtsspezifische und stressabhängige Veränderungen im Hirnstoffwechsel: Frühkindlicher Stress löste geschlechtsspezifische Veränderungen in wesentlichen Stoffwechselkanälen aus, also in Prozessen, die für die Energieproduktion, die DNA-Reparatur und die Kommunikation zwischen den Nervenzellen wichtig sind. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass früher Stress die Art und Weise, wie das Gehirn Energie und Signale verarbeitet, umprogrammiert, was die Anfälligkeit für psychische Störungen im späteren Leben erhöhen könnte.
Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Auswirkungen auf die psychische Gesundheit
„Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, geschlechtsspezifische Unterschiede in den neurobiologischen Prozessen, die Trauma bedingten Verhaltensweisen zugrunde liegen, zu berücksichtigen“, so Joeri Bordes, Hauptautor der in Communications Biology veröffentlichten Studie. „Dieses Wissen könnte den Weg für die Entwicklung geschlechtsspezifischer Therapien für Menschen ebnen, die in ihrer Kindheit Stress erlebt haben“.
Diese Forschung liefert entscheidende Informationen über die komplexe Beziehung zwischen frühkindlichem Stress, Geschlecht und Angst. Dadurch hoffen die WissenschaftlerInnen, wirksamere Behandlungen für Trauma bedingte Störungen entwickeln zu können. Mögliche Therapien, die auf bestimmte Stoffwechselwege abzielen, könnten auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Männern und Frauen zugeschnitten werden. „Durch das Verständnis, wie unterschiedlich sich Stress bei Männern und Frauen auf das Gehirn auswirkt, können wir psychische Störungen langfristig individueller und besser behandeln“, hofft MPI-Forschungsgruppenleiter Mathias Schmidt.
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Anke Schlee, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Max-Planck-Institut für Psychiatrie
___________Quellen: idw-online.de, Max-Planck-Institut, Communications Biology
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Stillen verbessert mit der Darmflora auch die Herzgesundheit von Kindern
„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Darmflora im frühen Kindesalter auch für die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems von Bedeutung ist“, schlussfolgerte das amerikanische und dänische Forschungsteam unter der Leitung von Noel Mueller, außerordentlicher Professor für Epidemiologie am Anschutz Medical Campus der University of Colorado.
Für die Studie analysierten die Expert*innen Daten von 526 Kindern, die an einer dänischen Studie zu Asthma im Kindesalter teilgenommen hatten. Im Rahmen der Studie wurden von jedem Kind im Alter von einer Woche, einem Monat und einem Jahr Stuhlproben genommen. Diese Proben wurden analysiert, um den Gehalt der Darmbakterien zu bestimmen. Zugleich überprüften die Wissenschaftler*innen auch der Blutdruck der Kinder im Alter von drei und sechs Jahren.
Das Ergebnis: Kinder mit einer vielfältigeren Darmflora im Alter von einem Monat hatten im Alter von sechs Jahren einen niedrigeren Blutdruck. Die blutdrucksenkende Wirkung vielfältiger Darmbakterien war besonders wirkungsvoll bei Kindern, die mindestens sechs Monate lang gestillt worden waren.Kinder mit einer sehr vielfältigen Darmflora hatten im Alter von sechs Jahren einen um etwa zwei Punkte niedrigeren systolischen Blutdruck als nicht gestillte Kinder, wenn sie mindestens sechs Monate lang gestillt worden waren, so die Expert*innen. (Der systolische Blutdruck misst den Druck in den Blutgefäßen während eines Herzschlags; er ist der obere Wert einer Blutdruckmessung.)
„Unsere Studie unterstreicht, wie wichtig es ist, das Stillen im Säuglingsalter zu fördern, nicht nur für eine optimale Entwicklung der Darmflora, sondern auch für eine bessere Herz-Kreislauf-Gesundheit im Laufe des Lebens“, fügten sie hinzu.
Bluthochdruck im Kindesalter ist ein großes Problem, da sich die Prävalenz von 2000 bis 2015 weltweit verdoppelt hat und er heute 4 bis 7% der heranwachsenden Bevölkerung betrifft.Quellen: HealthDay, Journal of the American Heart Association
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Spurensuche: Herzmuskelentzündung nach gehäufter Parvovirus B19-Infektion (Ringelröteln)
Seit Sommer 2023 ist in Deutschland ein Anstieg von Myokarditis-Erkrankungen bei Kindern zu beobachten. Dahinter steckt offenbar das vermehrte Auftreten der an sich harmlosen Ringelröteln nach der Covid-19-Pandemie. Per Genomsequenzierung soll jetzt untersucht werden, warum es zugleich zu einer ungewöhnlichen Häufung an schweren Myokarditis-Verläufen besonders bei Babys und Kleinkindern kommt. Für die Ursachenforschung und eine bestmögliche medizinische Versorgung sind Register wie MYKKE unverzichtbar.Mehrere europäische Länder meldeten im Jahr 2024 plötzlich viele Fälle von Ringelröteln, auch bei Schwangeren. In Deutschland erreichte die Zahl der Infektionen im April 2024 einen Höhepunkt. Die neben Masern, Windpocken, Scharlach und Röteln als fünfte Krankheit bekannte Kindererkrankung wird durch das menschliche Parvovirus B19 (B19V) verursacht.
Meist harmlos, aber nicht ganz ungefährlich
Ringelröteln sind vor allem bei Kindern meist harmlos. Sie machen sich häufig mit Fieber und einem roten Hautausschlag im Gesicht bemerkbar, der sich auf Arme und Oberkörper ausbreitet. „Wer sich einmal damit angesteckt hat, ist sein Leben lang immun dagegen. Eine Infektion während der Schwangerschaft jedoch kann schwere Folgen haben, da sie zu Komplikationen bei den Föten bis hin zu einer Fehlgeburt führen können. Bei Kindern dagegen sind schwere Komplikationen sehr selten“, erläutert Franziska Seidel, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin der Klinik für Angeborene Herzfehler am Herzzentrum der Charité. In äußerst seltenen Fällen entwickele sich eine Myokarditis, eine Entzündung des Herzmuskelgewebes.
Studie zeigt: Babys und Kleinkinder besonders gefährdet
Kurz nach dem vermehrten Auftreten der Ringelröteln seit Ende 2023 wurde ein Anstieg von Myokarditis-Erkrankungen bei Kindern beobachtet, wie Teresa Nygren vom Robert-Koch-Institut (RKI) Ende November auf einer Fachkonferenz in Stockholm berichtete. Mehr als die Hälfte der von dieser seltenen Komplikation Betroffenen sind Babys und Kleinkinder unter zwei Jahren. Das geht aus der gemeinsamen Studie von RKI und MYKKE hervor, die in Stockholm erstmals vorgestellt wurde.
Auf Grundlage der Daten des MYKKE-Registers aus derzeit 29 kinderkardiologischen Zentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz und mithilfe von Meldedaten sowie von Labordaten zu B19V-Infektionen der vom RKI ernannten Konsiliarlabore haben die Forschenden um Erstautorin Teresa Nygren untersucht, ob es sich bei den Myokarditis-Fällen um einen Ausbruch aufgrund von B19V handelte. „Der Verdacht hat sich bestätigt. Das gehäufte Auftreten der in der Regel äußerst seltenen Komplikation scheint mit der Ringelrötelnwelle zusammenzuhängen“, sagt MYKKE-Forscherin Franziska Seidel.Anstieg nach der COVID-19-Pandemie
Die Ausbruchswelle erklären sich die Forschenden mit den geringen Infektionszahlen verschiedener Infektionskrankheiten während der vorangegangenen COVID-19-Pandemie sowie mit dem Anstieg der Infektionszahlen in der Zeit danach. Seit Sommer 2023 verzeichnete das Multizentrische Register für Kinder und Jugendliche bei Verdacht auf Myokarditis (MYKKE) einen Anstieg der durch Ringelröteln ausgelösten Herzmuskelentzündung.
So zählte MYKKE von August 2023 bis einschließlich Mitte Dezember 2024 61 Kinder mit Parvovirus B19-Myokarditis. Zum Vergleich: In den zehn Jahren zuvor waren es pro Jahr im Durchschnitt 11 Patientinnen und Patienten. Zudem rechnen die Forschenden mit einer Dunkelziffer nicht erfasster Myokarditis-Fälle. Auch sei es noch nicht vorbei, wie Franziska Seidel erläutert: „Aufgrund der Verzögerung zwischen der B19V-Infektion und der Myokarditis ist von weiteren Fällen auszugehen. Erst im Dezember musste ein weiterer junger Patient stationär aufgenommen werden.“
Besonders auffällig sind die schweren Krankheitsverläufe
Was aus Sicht der Forschenden besonders auffällig ist, sind die schweren Krankheitsverläufe: „Die meisten der kleinen Patientinnen und Patienten, mehr als zwei Drittel, sind schwer krank. Bis dahin haben wir sehr viel seltener so ausgeprägte Entzündungen des Herzmuskels gesehen. Die Kinder haben eine deutlich eingeschränkte Funktion der linken Herzkammer. 14 von ihnen mussten aufgrund akuten Pumpversagens an eine mechanische Kreislaufunterstützung angeschlossen werden. Zwei Kleinkinder im Alter von eineinhalb Jahren haben die Myokarditis nicht überlebt. Zu Todesfällen kam es auch unter Patientinnen und Patienten, die nicht bei MYKKE registriert sind“, fasst Franziska Seidel die Lage zusammen.
Genomsequenzierung soll Klarheit bringen
Forscherinnen und Forscher am RKI versuchen daher derzeit, aus Gewebe- und Blutproben von bei MYKKE registrierten Patientinnen und Patienten das Genom des für die Ringelröteln verantwortlichen Parvovirus B19 zu isolieren. Eine Genomsequenzierung soll klären, ob sich das Genom des Virus möglicherweise verändert hat. „Das wäre eine Erklärung für die auffällige Schwere der Krankheitsverläufe, und ein wichtiger Anhaltspunkt sowohl für weitere Untersuchungen als auch für die bestmögliche medizinischer Versorgung“, so Franziska Seidel.
Myokarditis frühzeitig erkennen
Die Forscherinnen und Forscher empfehlen ihren pädiatrischen Kolleginnen und Kollegen, bei einer Infektion mit Ringelröteln besonders wachsam zu sein. Bereits im Sommer hatte MYKKE auch die zuständige Deutsche Gesellschaft für Kardiologie und angeborene Herzfehler (DGPK) einbezogen, die weitere medizinische Fachgesellschaften informierte. „Eine Herzmuskelentzündung kann leicht übersehen werden. Oft werden die Symptome auf die auslösende Infektion zurückgeführt“, sagt Franziska Seidel. Aufmerksam sollten auch Eltern werden, wenn bei ihren Kindern nach einer Ringelröteln-Erkrankung Symptome wie Abgeschlagenheit länger als üblich anhalten. „Ist die körperliche Schwäche danach noch stark ausgeprägt, sollte auf jeden Fall ärztlicher Rat eingeholt werden. Bei Kurzatmigkeit, Brustschmerzen und Herzrasen sollten die Kinder unbedingt kardiologisch untersucht werden.“
__________Karin Lange, Wissenschaftskommunikation, Kompetenznetz Angeborene Herzfehler
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Quellen: idw-online.de, Kompetenznetz Angeborene Herzfehler